• I Can Be Your Slave | Interview

    DE

    Andi* (*Name geändert) hat mich, wie ihr im letzten Seinf schon lesen konntet, über Instagram angeschrieben. Ich dachte zuerst, es wäre ein Scherz und er würde mich echt veräppeln. Er meinte es aber ernst. Andi* wäre gerne ein Sklave bei und für Frauen. Er ist somit devot, also der unterwürfige Part. Doch was genau bedeutet das? Was sind seine “Aufgaben”? Wie reagiert sein Umfeld auf diese Lebensweise?

    More Dolce Vita

    Andi* hat sich bereit erklärt, Fragen rund um dieses doch nicht alltäglich offene Thema zu beantworten.

     

    Hallo Andi*! Zuerst einmal vielen Dank, dass du mir und meinen Lesern heute einen Einblick in ein stigmatisiertes Thema bzw. eine nicht so alltägliche Lebensweise gibst. Du bezeichnest dich als Sklave bzw. “Sub”. Was bedeutet das genau?

    Sklave sein bedeutet für mich einer Frau zu dienen. Ihr lästige Arbeiten abnehmen und dass sie mit mir umgehen kann, als wäre ich ihr Eigentum. Wenn eine Frau glücklich ist, dass ihr jemand die Arbeit abnimmt, macht mich das auch glücklich.

    Wann hast du gemerkt, dass das “Sklave sein” ein Teil deines Lebens sein sollte?

    Das habe ich schon sehr früh gemerkt. Ganz genau weiß ich es auch nicht mehr, aber ich würde mal schätzen mit zehn Jahren.

    Wie bist du mit dieser Lebensweise in Verbindung gekommen?

    Ich bin damit nicht bewusst in Verbindung gekommen. Man merkt das einfach, so wie man z.B. auch merkt, dass man auf Frauen oder Männer steht. Es kommt schon relativ oft vor, dass Frauen in manchen Momenten sehr bestimmend, ein bisschen spielerisch gemein sind, oder sich hin und wieder einfach gerne bedienen lassen. Solche Momente haben mich oft erregt, und man findet so relativ schnell heraus, dass man dominantes Verhalten attraktiv findet.

    Wissen deine Familie und Freunde bescheid? Was sagen sie dazu?

    Nein, in meinem persönlichen Umfeld weiß davon noch keiner Bescheid. Es ist denke ich in unserer heutigen Gesellschaft ein noch deutlich häufiger stigmatisiertes Thema, als z.B. Homosexualität. Ich spiele aber schon mit dem Gedanken, mich Personen, denen ich nahe stehe, irgendwann gegenüber zu outen. Noch gab es dazu jedoch nicht den richtigen Moment.

    Der dominante Part ist im Fachjargon eine “Herrin”. Welche Aufgaben erwarten dich in dieser Art von Beziehung?

    Erledigen von Arbeiten für meine Herrin, Aufmerksamkeit (Servicegedanke), Anbetung, in manchen Momenten zurückstellen meiner Bedürfnisse, Loyalität, Zuverlässigkeit … und alle anderen Aufgaben, die meine Herrin mir aufträgt.

    Was passiert, wenn du eine Herrin hast, aber jemanden triffst, mit dem du eine “richtige” Beziehung führen könntest? Oder möchtest du gar keine Beziehung haben?

    Über diese Situation habe ich mir in der Tat schon oft Gedanken gemacht. Auf jeden Fall möchte ich eine konventionelle Beziehung haben. Ich würde vor meiner Partnerin jedoch auch nicht verheimlichen wollen, dass ich parallel noch eine Beziehung zu einer Herrin habe. Das heißt, dass ich mich dann für eine Sache entscheiden müsste. Der Optimalfall wäre natürlich eine Partnerin, mit der ich eine konventionelle Beziehung führen kann, die jedoch auch dominant ist. Dies würde ich aber nicht voraussetzen. Mit meiner Freundin kuscheln, Gemeinsames erleben, und viele weitere Elemente einer konventionellen Beziehung wünsche ich mir genauso wie andere Menschen auch. Ich muss auch nicht 24/7 erniedrigt werden. Im Alltag möchte ich mit meiner Partnerin auf einer Ebene stehen.

    Hast du mehrere Herrinnen oder ist es nur erlaubt bei einer tätig zu sein?

    Nein. Ich habe schon Kontakte mit anderen dominanten Frauen gehabt, jedoch nur virtuell und ich würde diese nicht als meine Herrinnen bezeichnen. Ob es mir erlaubt ist, für mehrere Herrinnen tätig zu sein, müsste ich dann mit meiner Herrin absprechen.

    Was erwartet dich, wenn du etwas nicht machen möchtest? Wirst du dann körperlich oder psychisch erniedrigt oder gar gefoltert?

    Ich finde hier sollte man so vorgehen, dass beide Parts der Beziehung ihre Bedürfnisse erfüllen können, man jedoch immer Rücksicht auf den jeweils anderen Part nimmt. Alles sollte beiden Akteuren Spaß machen. Wenn etwas meiner Herrin keinen Spaß macht, macht es mir auch keinen Spaß. Ich möchte auch, dass sie mir mitteilt, wenn ihr etwas nicht gefällt. Für mich ist die Erfüllung, dass meine Herrin es genießt, sich bedienen zu lassen, bzw. mich zu erniedrigen.

    Kann man sich das so wie in Fifty Shades Of Grey vorstellen?

    Den Film habe ich noch nicht gesehen und Ausschnitte davon haben mich auch nicht begeistert. Für mich sah es so aus, als wäre BDSM nicht der Hauptbestandteil des Films. Auch wirkte es für mich als werden in dem Film typische Klischees und Rollenvorstellungen bedient. Der starke, selbstbewusste, beruflich erfolgreiche ältere Mann und das naive, unerfahrene, kleine, zerbrechliche, devote Mädchen (siehe auch Antwort auf die letzte Frage).

    Möchtest du auch mal der dominante Part sein?

    Eher weniger. Im Alltag würde ich mich nicht als devot bezeichnen. Ob ich jedoch im sexuellen Sinne Gefallen daran habe, dominant zu sein glaube ich nicht. Ich wäre aber offen, es auszuprobieren, wenn eine Partnerin z.B. mir gegenüber den Wunsch äußern würde.

    Wenn du einer Dame unterwürfig bist, musst du gleich springen sobald sie dich braucht?

    Ja. Dass sie dies von mir erwartet erregt mich auch. Natürlich muss man hier aber auch realistisch bleiben. Ich arbeite z.B. in Vollzeit und habe auch Hobbys, Freunde etc.

    Werden von dir und Dom Verträge unterzeichnet? Also womit beide Seiten einverstanden sind und womit nicht?

    Bis jetzt hatte ich noch nicht das Bedürfnis danach. Ich finde zwei erwachsene Menschen sollten sich auch so sagen können, was sie wollen und was nicht, ohne dabei Verträge zu unterzeichnen.

    Was wünscht du dir von der Gesellschaft in Bezug auf dieses Thema?

    Mehr Offenheit. Homosexualität beispielsweise ist mittlerweile vom Großteil der Bevölkerung sozial akzeptiert. BDSM wird jedoch oft als Krankeit / Perversität angesehen. Mich macht diese Doppelmoral wütend. Es wirkt auf mich so, dass viele Menschen Homosexualität nur akzeptieren, weil die Gesellschaft es ihnen vorgibt. Sie wollen mit der Masse schwimmen und sich nicht unbeliebt machen, indem sie aus der Reihe tanzen. Würden sie sich bewusst ihres eigenen Verstandes bedienen und Homosexualität deshalb akzeptieren, wären sie auch offen gegenüber BDSM und anderen sexuellen Ausrichtungen. Zumindest für mich ist dies eine logische Schlussfolgerung.

    Ich hoffe, dass wir irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der alle sexuellen Vorlieben akzeptiert sind, solange daran beide Seiten Gefallen haben. Ich finde jedoch auch, dass unsere Gesellschaft auf dem richtigen Weg ist. Der Feminismus trägt zum Beispiel dazu bei, dass Frauen keine Scham haben müssen, selbstbewusst und dominant zu sein. Sie müssen nicht mehr dem typischen Bild der Frau entsprechen. Gleichzeitig wird es als Mann immer mehr akzeptiert, wenn man den typisch maskulinen Eigenschaften nicht entspricht. Letzteres wird jedoch meiner Meinung nach nicht oft genug dargestellt.

    Mir ist wichtig, dass jeder Mensch so sein kann wie er will. In unserer Gesellschaft erhalten Anführer-  / Karrieretypen oft mehr Anerkennung. Dadurch werden viele Männer und Frauen in diese Rolle gedrängt, obwohl sie sich darin gar nicht wohl fühlen. Ich finde auch der Feminismus driftet oft in Richtung dieser einseitigen Tugenden ab. Die Menschheit braucht genauso wie sie Anführer braucht auch Supporter. Durch dieses „in Rollen drängen“ werden glaube ich viele individuelle Potentiale verschenkt.

    Vielen Dank für dieses überaus interessante Interview!

    Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Schreibt es gerne in die Kommentare 🙂

    ENG

    Andi* (*name changed) wrote me via Instagram, as you could read in my last Seinf. At the beginning, I really thought he’s joking and tries to trick me. But he was really serious about. Andi* would like to be a slave for women. He’s submissive, the obsequious part. But what’s up with it? What are his “tasks”? How does the environment react to this lifestyle?

    More Dolce Vita

    Andi*has agreed to answer our questions around this not daily-opened theme.

    Hello Andi*! At first, thank you for the opportunity to get an insight in this stigmatized topic and a not-daily way of living. You name yourself as a slave or “sub”. What exactly is this?

    Slave means for me, to serve a woman. To take down tiresome work and that you she treats me as if I were her property. If a woman is happy that someone takes her work, it makes me happy too.

    When did you realize that being a slave should be part of your life?

    I noticed that very early. I do not know exactly, but I would guess at the age of ten.

    How did you get in touch with this way of life?

    I did not consciously get in touch with it. You just notice it. Like the way you notice that you like women or men. It often happens that in some moments women are very decisive, a bit playfully mean, or sometimes just like to be served. Such moments have often aroused me, and so I found it out quickly, that for me, dominant behavior is attractive.

    Do your family and friends know? What do they say about it?

    No, nobody knows about it in my personal environment. It is an even more frequently stigmatized topic in our society today than e.g. homosexuality. But I’m already thinking about coming out to somebody I’m close to. However, there was still not the right moment.

    The dominant part in jargon is a “Mistress”. What tasks do you expect in this type of relationship?

    Doing work for my mistress, attention (service thought), worship, at some moments putting off my needs, loyalty, dependability … and all the other duties my mistress assigns to me.

    What happens if you have a mistress but meet someone with whom you could have a “right” relationship? Or don’t you want to have a relationship?

    In fact, I’ve often thought about this situation. In any case, I would like to have a conventional relationship. However, I would not want to conceal from my partner that I still have a relationship with a mistress at the same time. That means that I would then have to decide for one thing. The optimal case, of course, would be a partner with whom I can lead a conventional relationship, but which is also dominant. But I would not expect that. Cuddling with my girlfriend, experiencing things in common, and many other elements of a conventional relationship I wish just as much as other people. I do not have to be humiliated 24/7. In everyday life I want to stand with my partner on one level.

    Do you have several mistresses or is it only allowed to work for one?

    No. I’ve already had contacts with other dominant women, but only virtually, and I would not call them my mistresses. Whether I am allowed to work for several mistresses, I would then have to agree with my mistress.

    What do you expect when you do not want to do something? Are you then physically or psychologically humiliated or even tortured?

    I think here one should proceed in such a way that both parts of the relationship can fulfill their needs, but one always takes account of the other part. Everything should be fun for both actors. If something of my mistress is not fun, I do not enjoy it either. I also want you to tell me if you do not like something. For me, the fulfillment is that my mistress enjoys being served or demeaning me.

    Is it like in the Fifty Shades Of Grey movies?

    I have not seen the movie yet and excerpts of it did not inspire me either. For me it looked like BDSM was not the main part of the movie. It also worked for me as in the film typical clichés and role ideas served. The strong, self-confident, professionally successful older man and the naive, inexperienced, small, fragile, submissive girl (see also answer to the last question).

    Would you like to be the dominant part too?

    Rather less. In everyday life I would not call myself submissive. Whether I enjoy the sexual sense of being dominant I do not think so. But I would be open to try it, if a partner, e.g. would express my wish to.

    If you are submissive to a lady, do you have to jump right away when she needs you?

    Yes. That she expects this from me excites me too. Of course you have to stay realistic here, too. I work for example full time and also have hobbies, friends etc.

    Are contracts signed by you and dom? So what both sides agree with and what not?

    So far I have not felt the need for it. I think two adults should be able to say what they want and what they do not without signing contracts.

    What do you expect from society in relation to this topic?

    More openness. For example, homosexuality has become socially accepted by the majority of the population. However, BDSM is often viewed as a disease / perversity. This double standard makes me angry. It affects me so much that many people only accept homosexuality, because society dictates it to them. They want to swim with the crowd and not make themselves unpopular by dancing out of line. If they consciously used their own minds and therefore accepted homosexuality, they would also be open to BDSM and other sexual orientation. At least for me, this is a logical conclusion.

    I hope that someday we will live in a society where all sexual preferences are accepted as long as both sides enjoy it. But I also think that our society is on the right track. For example, feminism contributes to women not having to be ashamed of being self-confident and dominant. You no longer have to match the typical picture of the woman. At the same time it is accepted more and more as a man, if one does not correspond to the typical masculine characteristics. The latter, however, is not often enough, in my opinion.

    It is important to me that every person can be as he wants. In our society, leader / career types often receive more recognition. This pushes many men and women into this role, although they do not feel comfortable in it. I also find that feminism often drifts towards these one-sided virtues. Humanity needs supporters as well as leaders. By this “pushing in roles” I think many individual potentials are given away.

     

    Thank you for this very interesting interview!

    What do you think about this topic? Tell me in the comments 🙂

    More Dolce Vita

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.